Güterverkehr Schiene versus Wasserstraße

Das verkehrspolitische Ziel, große Teile des Güterverkehrs von der Straße auf das Wasser zu verlegen, konnte bis heute nicht erreicht werden. Trotz eines explodierenden Wachstums des Güterverkehrs stagniert die Verkehrsleistung der Binnenschifffahrt in den letzten Jahrzehnten.

 

Ökonomische Vorteile der Schiene

 

Verglichen mit der Bahn sind Binnenschiffe auf der Elbe sehr unzuverlässige Transportmittel, da sie bei Hoch- oder Niedrigwasser nicht eingesetzt werden können. Die Bahn ist eindeutig das schnellere Transportmittel. Bei der zunehmenden Zahl von Gütern die „just in time“ geliefert werden müssen, ist dies ein entscheidender Nachteil. Ein weiterer Nachteil liegt in den häufig längeren Entfernungen: mit rund 390 km ist z.B. die Strecke Hamburg-Berlin zu Wasser gut 100 km länger ist als auf der Schiene.

 

Im Gegensatz zum Zug ist die Binnenschifffahrt an den Verlauf des Flusses oder des Kanals gebunden, und ist daher stärker auf Zubringerdienste angewiesen. Dies bedeutet zusätzlichen logistischen und finanziellen Aufwand, da die Güter erst per LKW oder Bahn zu Sammelpunkten gebracht werden müssen, dort entsprechend ihres Bestimmungsorts neu sortiert und dann abermals verladen werden müssen. Es stellt sich die Frage, ob ein Ausbau der Transportkapazitäten überhaupt notwendig ist. Die Bahn verfügt über ausreichende Kapazitätsreserven und könnte problemlos die bisherigen und für die Zukunft prognostizierten Gütermengen entlang der Elbe auf der Schiene transportieren.

 

Aus diesen und weiteren Gründen geht der Güterverkehr auf der Elbe seit Jahren kontinuierlich zurück. Die Auslastungsprognosen für die Elbe wurden von der Realität längst wiederlegt, was die Wirtschaftlichkeit eines weiteren Ausbaus noch mehr in Frage stellt. Dieser Rückgang der Güterschifffahrt auf der Elbe liegt aber ganz sicher nicht an einer etwaigen politischen Benachteiligung. Ganz im Gegenteil erscheint der angeblich kostengünstige Transport per Binnenschiff in einem anderen Licht, wenn man die Subventionen (Befreiung von der Mineralölsteuer und Ökosteuer sowie die Unterhaltungskosten der Kanäle), die aus Steuergeldern kommen, mit einbezieht. Vor diesem Hintergrund gesehen ist der Gütertransport auf der Schiene noch wettbewerbsfähiger, da er ohne derartige Vergünstigungen zurecht kommen muss. So musste die Bahn in 2004 alleine 380 Millionen Euro Steuern und Abgaben auf Energie zahlen.

 

Ökologische Vorteile der Schiene

 

Der CO2 – Ausstoß eines Transports auf der Strecke Hamburg – Dresden ist auf der Schiene ein Drittel niedriger als per Binnenschiff. Und das obwohl hier keine Zubringerdienste notwendig sind. Auch beim Primärenergieverbrauch ist die Bahn im Vorteil. Um Längen umweltfreundlicher ist die Bahn beim Ausstoß von Stickoxiden, Nicht-Methan-Kohlenwasserstoffen und Rußpartikeln. Einzig bei den Schwefeldioxidemissionen ist der Transport per Schiff etwas umweltschonender (vgl. www.ecotransit.de).

 

Durch die Befestigung der Uferstreifen mit Geröll und die Rodung der ufernaher Bäume und Gehölze gehen wertvolle Lebensräume verloren. Ebenso werden Lebensräume durch die Schotterung der Flusssohle vernichtet. Die Befestigungsmaßnahmen führen zu einer stärkeren Strömung, zur fortschreitenden Erosion des Flussbetts, zur Verarmung der Flora und Fauna und zur Absenkung des Wasserspiegels in der Flussaue, was wiederum zur Austrocknung der ökologisch wertvollen Flussauen und Feuchtwiesen führt.

 

Arbeitsplätze

 

Weit sinnvoller erscheint eine Nutzung der Elbe im Einklang mit der Natur, denn was auf der Elbe boomt, ist nicht der Güterverkehr, sondern der Tourismus. Das vorgeschobene Arbeitsplatzargument der zu erhaltenden Arbeitsplätze in der Binnenschifffahrt ist eine Milchmädchenrechnung, da nur noch circa 13 % der Binnenschiffe auf der Elbe unter deutscher Flagge fahren. Der marginale Zuwachs an Arbeitsplätzen durch einen Ausbau der Elbe steht einem (drohenden) Rückgang des naturverträglichen Tourismus entgegen. Die Tourismusbranche stellt einen herausragenden Wirtschaftsfaktor in Deutschland dar und hat auch für die Elbregion eine große volkswirtschaftliche Bedeutung. Zahlreiche Arbeitsplätze (wie z.B. das Transportwesen, die Landwirtschaft, Handwerk und lokale Dienstleistungen) hängen direkt von der Tourismusbranche ab.

 

Welcher Tourist will schon einen Ausblick auf ein Ufer, das nur noch aus Geröllaufschüttungen besteht? Darüber hinaus haben Fahrgastschiffe, von denen inzwischen immer mehr auf der Elbe fahren, einen geringeren Tiefgang als Frachtschiffe und können meist ganzjährig betrieben werden. Das einzige Jobwunder, welches ein Elbausbau bewirken könnte, würde sich in der Wasserstraßenverwaltung ereignen. Schon heute kommen auf einen Beschäftigten in der Binnenschifffahrt drei Angestellte der Wasserstraßenverwaltung die sich um die kostspielige Instandhaltung der Wasserwege kümmern.

 

Warum also nicht einfach auf das umweltfreundlichere und wirtschaftlichere Transportmittel Bahn setzen und die Elbe für das nutzen, wofür sie erstklassig geeignet ist? Den Tourismus!

 

Hinweis zur Grafik rechts: So kommen Sie zum Ergebnis: Auf der Seite von ecotransit (www.ecotransit.org) als Versandort Hamburg, als Empfangsort Dresden und bei Gewichtsklasse „Massengut“ wählen, zudem ein Häkchen bei Binnenschiff setzen.

Informationen zum Thema Bahn und Umwelt: www.db.de/umwelt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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