FAQ

1. Was ist der Big Jump?

 

Der BIG JUMP steht für ein europäisches Projekt zur Beteiligung der Öffentlichkeit an gewässerpolitischen Maßnahmen im Zuge der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Der BIG JUMP ist eine konzertierte Aktion vieler Tausend Menschen am 17. Juli 2005 und findet in insgesamt 30 Flüssen in Europa statt. Insgesamt werden an rund 10.000 Flusskilometern rund 250 Badefeste stattfinden. Der Elbebadetag in Deutschland und Tschechien ist ein deutscher Beitrag am Big Jump. Der BIG JUMP soll Verständnis dafür wecken, dass der Schutz und Erhalt unserer Flüsse nur in internationaler Zusammenarbeit und Solidarität erfolgen kann. Er soll ein Bewusstsein für die Notwendigkeit schaffen, Flüsse und Bäche wieder zu Lebensadern der Landschaft zu machen, deren Auen zum ökologischen Hochwasserschutz beitragen. Die Badefeste sollen den Menschen deutlich machen: Lebendige Flüsse sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie Heimat und Erholungsraum für den Menschen.

 

2. Was ist die Wasserrahmenrichtlinie?

 

Bis zum Jahr 2005 müssen alle Länder Europas gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) den Zustand ihrer Gewässer an die Europäische Union melden. Auf dieser Basis werden Maßnahmen zur Erhaltung des guten ökologischen Zustandes der Gewässer geplant, die bis 2015 abgeschlossen sein müssen. Bei Nicht-Erreichen dieser Etappenziele können Strafen und Sanktionen verhängt werden. Die EU trägt mit dieser Richtlinie der Bedeutung des Wassers als schützenswertes und zu verteidigendes Gut Rechnung. Es gibt unterschiedliche Kategorien, in die Gewässer eingeteilt werden können, z.B. künstliche Gewässer, erheblich veränderte Gewässer, Gewässer mit gutem ökologischen Potential und Gewässer in gutem ökologischen Zustand. Je nach Kategorie sind damit bestimmte gewässerpolitische Maßnahmen und Ziele verknüpft. Ein guter ökologischer Zustand würde entsprechend hohe Ziele und intensive Maßnahmen induzieren. Die Mitgliedstaaten sollen bestrebt sein, einen zumindest guten Zustand ihrer Gewässer zu erreichen, in dem sie angemessene Maßnahmen festlegen und in die Praxis umsetzen. Die Öffentlichkeit soll bei diesen Maßnahmen einbezogen werden (Art. 14 WRRL). Die Einbeziehung der Öffentlichkeit und die Überzeugung der Menschen vom Sinn und der Notwendigkeit der Investitionen in unsere Flüsse und Bäche sind grundlegende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung der EU-WRRL.

 

3. Wie hat sich die Wasserqualität seit dem letzten Elbebadetag entwickelt?

 

Welche Auswirkungen hatte das Hochwasser? Die Wasserqualität der Elbe hat sich seit dem Elbehochwasser nicht nennenswert verschlechtert bzw. verbessert. Bei einigen Messgrößen sind Verbesserungen aufgetreten. In den Vordeichländereien wurde nach dem Hochwasser eine erhöhte Dioxinbelastung der landwirtschaftlich genutzten Flächen festgestellt. Das Schadstoffdepot in der Elbe ist geringer geworden (Dampfstrahleffekt). Hinsichtlich des Fischbestandes ist festzustellen, dass der Fischreichtum seit dem Elbehochwasser unverändert geblieben ist (rund 101 Fischarten gesamt, davon weisen 10-20 Arten bestandsbildende Mengen auf). Die Diversität hingegen ist deutlich gestiegen. Die aktuellen Wasserqualitätsmesswerte für 2004 werden im Mai ausgewertet sein. Die Projektpartner werden nach Vorliegen der Daten einige aussagefähige Parameter inhaltlich kommentieren. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer Pressemitteilung kommuniziert, welche die Themen Wasserqualität (chemische und bakteriologische Veränderung seit dem Hochwasser) sowie die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie beinhalten wird.

 

4. Warum hat sich die Wasserqualität im Ästuar der Elbe verschlechtert?

 

Tendenziell ist eine Verschlechterung des mittleren Sauerstoffgehalts in der Unteren Elbe festzustellen, was aus den Ausbaumaßnahmen zur Hafeninstandhaltung bzw. –erweiterung resultiert.

 

5. Warum ist die Elbe Vorzeigemodell für die Flüsse Europas?

 

Die Elbe hat Vorbildcharakter für andere europäische Flüsse. Innerhalb von zehn Jahren nach der Wende entwickelte sie sich vom schmutzigen Abwasserkanal zu einem Fluss mit guter Wasserqualität, die sich auch durch das Hochwasser nicht verschlechtert hat! Drei Jahre nach der großen Elbeflut setzt der Elbebadetag 2005 ein bewusstes Zeichen der Hoffnung, des Stolzes und der Freude der Menschen über ihren Fluss. Die Gewässergüte der Elbe hat sich in den Jahren nach der Wende deutlich verbessert. Die natürlichen Selbstreinigungsvorgänge, insbesondere in der Oberen und Mittleren Elbe wurden deutlich gestärkt- Die Sauerstoffsituation der Elbe ist bis auf den Bereich der Tideelbe als "gut" zu bezeichnen. Dies hat dazu geführt, dass heute wieder 94 Fischarten in der Elbe gefunden werden (1992 waren es nur 50 Arten). Bis auf den Atlantischen Stör sind alle früheren Arten wieder vorhanden. Die enormen Anstrengungen zum Bau der kommunalen Kläranlagen im gesamten Einzugsgebiet der Elbe sind beispielhaft: Seit 1990 wurden 260 größere kommunale Kläranlagen gebaut, davon 61 in der Tschechischen Republik, 177 in Deutschland und eine Anlage am österreichischen Elbezufluss. Damit verfügen jetzt alle Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern im Einzugsgebiet der Elbe über moderne Kläranlagen. Die technologischen Veränderungen in Industriebetrieben haben ebenfalls zu einer Reduzierung der Einleitung von Schadstoffen beigetragen. 90.000 Menschen beteiligten sich 2002 am Ersten Internationalen Elbebadetag zwischen Prag und Hamburg. Wenige Wochen später richtete die Elbeflut verheerende Schäden an. Doch trotz der Flut sprang der Funke des Badetags über: Überall in Europa wurden in den letzten Jahren nach dem Modell der Elbe Badetage und Flussfeste veranstaltet. Auch an der Elbe fanden regelmäßig kleinere Badefeste statt.

 

6. Warum wurden seit dem Elbebadetag 2002 keine dauerhaften Badestellen initiiert?

 

Zu den beliebten Freizeitaktivitäten gehört mit steigender Tendenz das Baden. In Deutschland gibt es zahlreiche Badegewässer: 1572 Binnenbadegewässer und 394 Küstenbadegewässer. Die Überwachung der Badegewässer in den Ländern der Europäischen Gemeinschaft erfolgt seit vielen Jahren nach der EU-Badegewässerrichtlinie 76/160/EWG. Freie Badegewässer an Flussläufen, Binnenseen und im Küstenbereich der Meere werden auf vielerlei Wegen mit Fäkalien und damit potenziell mit Krankheitserregern belastet. Derartige hygienische Probleme werden hauptsächlich durch Einleitungen aus Kläranlagen und Mischwasserüberläufen sowie städtische und landwirtschaftliche Oberflächenabschwemmungen verursacht. Auch die Einleitung von Nährstoffen, insbesondere von Phosphor- und Stickstoffverbindungen, ist ein Problem, da sie zur Eutrophierung der Gewässer führen. Diese Verschmutzungsquellen wurden in den letzten Jahren in Deutschland deutlich vermindert. Daher hat sich die Qualität der deutschen Badegewässer ständig verbessert. Leider ist es jedoch aufgrund des hohen zeitlichen und finanziellen Aufwands für mikrobielle Analysen noch immer gängige Praxis, bei potenziell belasteten Gewässern Badeverbote zu verhängen oder Strände einfach nicht mehr als Badegebiet auszuweisen. Statt ein Badeverbot zu verhängen, sollten jedoch die Ursachen für die Gewässerverschmutzung selbst angegangen werden. Der Betrieb einer Flussbadestelle ist mit hohen Kosten verbunden. Neben der Sicherheit für die Badenden müssen auch sanitäre Anlagen bereitgestellt werden.

 

7. Halten Sie es nicht für leichtsinnig, die Menschen dazu aufzurufen, sich in diese Gefahr zu begeben?

 

Die Elbe ist ein Fluss, der in seiner Dynamik und Lebendigkeit viele Gefahren birgt. Strömungsgeschwindigkeit und Sogwirkung des Flusses dürfen nicht unterschätzt werden. Darauf weisen die Deutsche Umwelthilfe und ihre Partner hin. Es sollte nicht an unbeaufsichtigten Stellen gebadet werden, sondern nur an den von den Veranstaltern ausgewiesenen Badestellen. Für den Elbebadetag am 17. Juli 2005 sollen spezielle Badeplätze an der Elbe ausgewiesen werden. An jeder Badestelle wird von den lokalen Organisatoren ein sicherer Badebereich ohne Untiefen bzw. starken Strömungen markiert. Für die Sicherheit der Badegäste sollen schließlich Rettungsschwimmer sorgen, die z.B. durch den Projektpartner, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, sowie örtlichen Sanitätsdiensten gestellt werden.